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Schlafender Feind
·
Published 9/9/2026
Die Stille war das Schlimmste. Nicht die Art Stille, die bedeutete, dass nichts passierte. Die Art Stille, die bedeutete, dass alles gleich explodieren würde.
Ich stand am Fenster und starrte auf die Lichter von Junon. Das Meer glitzerte schwarz unter dem Nachthimmel, aber ich sah nichts davon. Ich sah nur sein Spiegelbild hinter mir im Glas.
Rufus Shinra saß an seinem Schreibtisch, die Ärmel bis zu den Ellenbogen aufgerollt, die obersten Knöpfe seines Hemdes geöffnet. Er las eine Akte, als wäre ich Luft.
Drei Tage.
Drei verdammte Tage, seit ich ihm gesagt hatte, warum ich so gereizt war. Drei Tage, seit ich ihm ins Gesicht gefaucht hatte: „Weil ich geil bin, du Arschloch.“ Drei Tage, seit er mich nur angesehen hatte, als hätte ich ihm eine besonders interessante Information gegeben.
„Das erklärt einiges“, hatte er gesagt.
Und dann nichts.
Kein Grinsen. Keine zweideutige Bemerkung. Kein Versuch, mich zu provozieren.
Ich hasste ihn dafür.
Ich hasste ihn noch mehr, weil ich nicht wusste, ob ich ihn mehr gehasst hätte, wenn er etwas getan hätte.
Das machte alles kompliziert.
Mein Blick wanderte zu seinen Händen. Lange Finger, die eine Seite umblätterten. Sehnen, die sich unter der Haut seines Unterarms bewegten, als er nach seinem Glas griff.
Ich schloss die Augen.
Ich brauchte Schlaf. Richtigen Schlaf. Nicht zwei Stunden, gefolgt von Träumen, in denen Rufus Shinra alle Hemmungen besaß, die der echte Mann mir gegenüber gerade demonstrativ nicht zeigte.
„Du starrst.“
Ich erstarrte. „Tue ich nicht.“
„Doch.“ Er sah nicht einmal auf.
„Du guckst nicht mal her.“
„Muss ich nicht.“
Ich drehte mich um. „Arrogantes Arschloch.“
Jetzt sah er auf. Sein Gesicht war ruhig, aber ich kannte ihn gut genug, um das kleine Zucken an seinem Mundwinkel zu bemerken. „Du bist heute ausgesprochen zufrieden mit dir.“
„Nein.“
„Du siehst so aus.“
„Vielleicht siehst du zu genau hin.“
Treffer.
Ich klappte mein Buch zu. „Fick dich.“
Sein Blick blieb auf mir liegen. Eine Sekunde. Zwei. „Das wäre eine Möglichkeit.“
Ich öffnete den Mund. Schloss ihn wieder.
Er wandte sich seiner Akte zu. Einfach so.
„Das war Absicht“, sagte ich.
„Was?“
„Das.“
„Du musst präziser sein.“
„Du weißt genau, was.“
„Möglich.“
Ich stand auf. Nicht weil ich zu ihm wollte. Ich musste mich bewegen. Das war alles.
Ich ging zum Fenster und sah hinaus. Hinter mir raschelte Papier.
Ich biss die Zähne zusammen. „Wie lange willst du noch arbeiten?“
„Noch ungefähr zwanzig Minuten.“
„Du hast vor einer Stunde gesagt, noch eine halbe.“
„Dann habe ich mich verschätzt.“
„Du verschätzt dich nicht.“
„Selten.“
„Natürlich.“
Stille.
Ich betrachtete mein Spiegelbild im Glas. Dunkle Schatten unter den Augen. Blasser als sonst. Die Haare hatte ich irgendwann am Abend zusammengebunden, weil selbst einzelne Strähnen mich aggressiv gemacht hatten.
Ich war müde. Eigentlich erschöpft. Nur half Schlaf nicht mehr. Jedes Mal, wenn ich die Augen schloss, machte mein eigener Kopf dort weiter, wo ich Rufus tagsüber mühsam aus meinen Gedanken drängte.
Manchmal küsste er mich. Manchmal berührte er mich. Manchmal tat mein Unterbewusstsein Dinge mit seinen Händen, die mich am Morgen dazu brachten, Minuten lang bewegungslos an die Decke zu starren.
Aber die schlimmsten Träume waren andere. Die, in denen nichts passierte. Rufus lag neben mir. Sein Arm um mich. Sein Atem in meinen Haaren. Und ich schlief. Einfach nur schlief. Ruhig. Sicher. Als wäre es selbstverständlich.
Ich presste die Stirn gegen das kühle Glas.
„Du solltest schlafen.“
Ich schloss die Augen. „Halt die Klappe.“
„Das war keine Kritik.“
„Hat trotzdem keiner gefragt.“
Hinter mir wurde es still. Dann hörte ich den Stuhl.
Ich richtete mich auf. Das Mal reagierte, bevor Rufus hinter mir angekommen war. Wärme zog unter meinem linken Fuß entlang, über die Innenseite nach oben. Vertraut genug, dass ich nicht mehr zusammenzuckte.
Er blieb einige Schritte entfernt stehen. Nicht näher.
Ich sah ihn in der Spiegelung. „Was?“
„Nichts.“
„Dann geh wieder.“
Er blieb. Natürlich.
Ich drehte mich um. „Rufus.“
Sein Blick wanderte über mein Gesicht. Zu meinen Augen. „Wann hast du zuletzt vernünftig geschlafen?“
„Als ich bewusstlos war.“
„Das zählt nicht.“
„Dann weiß ich es nicht.“
Etwas veränderte sich in seinem Gesicht. Nicht viel. „Wegen mir?“
Ich lachte kurz auf. „Du überschätzt dich.“
„Also ja.“
„Ich hasse dich.“
„Nein.“
Ich versteifte mich. „Sag mir nicht, was ich fühle.“
„Das habe ich nicht. Ich habe nur einer offensichtlich falschen Aussage widersprochen.“
Ich starrte ihn an. „Du bist unglaublich.“
„Das höre ich häufiger.“
Ich wollte etwas erwidern. Tat es nicht. Rufus ebenfalls nicht.
Die Stille wurde länger. Das Mal zog warm. Ich spürte plötzlich jeden Zentimeter Abstand zwischen uns.
Ich wusste, dass ich gehen konnte. In mein Zimmer. Tür zu. Ins Bett. Schlafen versuchen. Wieder von ihm träumen. Wieder aufwachen und feststellen, dass mein Körper offenbar weniger Probleme mit Rufus Shinra hatte als jeder vernünftige Teil meines Verstandes.
Der Gedanke machte mich wütend.
Ich ging auf ihn zu. Rufus bewegte sich nicht. Ein Schritt. Noch einer. Dann stand ich vor ihm. Nah genug, dass ich den Kopf heben musste.
Sein Blick ruhte auf meinem Gesicht. Nicht triumphierend. Das wäre leichter gewesen. Nur aufmerksam.
„Sag nichts.“
„Ich sage nichts.“
„Gut.“
Ich packte ihn am Hemd und zog ihn zu mir.
Der erste Kuss war alles andere als elegant. Meine Zähne stießen beinahe aneinander, Rufus musste einen halben Schritt machen, um das Gleichgewicht abzufangen, und ich küsste ihn mit einer Mischung aus Wut, Hunger und Frustration, als könnte ich ihm persönlich die Schuld dafür geben, dass ich seit Tagen kaum schlafen konnte.
Vielleicht tat ich das.
Rufus reagierte für einen Herzschlag überhaupt nicht. Dann legte sich seine Hand an meine Taille.
Ich spürte die Berührung wie einen Stromstoß. Das Mal flammte auf. Ich sog scharf Luft ein.
Rufus löste sich sofort ein Stück von mir. Nicht vollständig. Nur genug, um mein Gesicht sehen zu können.
Ich hielt sein Hemd noch immer fest. „Nicht.“
Seine Augen wurden schmaler. „Was?“
„Nicht jetzt vernünftig werden.“
Etwas Dunkles trat in seinen Blick. „Das war nicht meine Absicht.“
Dann küsste er mich.
Und diesmal war Rufus derjenige, der das Tempo bestimmte. Seine Hand glitt von meiner Taille an meinen Rücken, zog mich enger an ihn, während die andere meinen Nacken umfasste. Nicht grob, aber fest genug, dass ich wusste, er konnte mich genau dort halten, wenn er wollte.
Ich kannte diese Hände. Am Handgelenk. Am Oberarm. Auf meiner Schulter. Im Kampf gegen ihn hatte ich jede Bewegung danach beurteilt, wie ich mich daraus befreien konnte.
Jetzt dachte ich an gar nichts davon.
Meine Finger glitten in seine Haare. Weich. Natürlich.
Ich machte einen frustrierten Laut gegen seinen Mund.
Rufus löste sich gerade weit genug. „Problem?“
„Deine Haare.“
Eine Augenbraue hob sich. „Meine Haare.“
„Sind weich.“
Er sah mich an. „Das ist bedauerlich.“
„Du hast schon genug Vorteile.“
Sein Mundwinkel bewegte sich.
Ich küsste ihn wieder, bevor er etwas sagen konnte. Meine Hände wanderten an seinen Kragen und begannen die Knöpfe seines Hemdes zu öffnen. Beim dritten bekam ich ihn nicht sofort auf.
„Verdammtes-“
Rufus griff nach meiner Hand. Ich sah ihn warnend an.
Er öffnete den Knopf selbst. Dann den nächsten.
„Angeber.“
„Du hattest Schwierigkeiten.“
„Ich war beschäftigt.“
„Offensichtlich.“
Ich zog das Hemd aus seinem Hosenbund und schob es über seine Schultern. Zum ersten Mal stand Rufus mit nacktem Oberkörper vor mir.
Ich vergaß für einen Moment, mich darüber zu ärgern.
Er war schlanker, als seine Kleidung vermuten ließ, aber keineswegs schmal. Klare Muskulatur über Brust, Bauch und Schultern. Der Körper eines Mannes, der nicht nur wusste, wie man kämpfte, sondern es regelmäßig tat.
Mein Blick wanderte tiefer. Dann blieb er hängen.
Seitlich an seiner Flanke, knapp oberhalb der Hüfte, lagen feine blaue Linien auf seiner Haut.
Ich wurde still. Rufus ebenfalls.
Ich hatte gewusst, dass es dort war. Natürlich hatte ich das. Aber Wissen und Sehen waren zwei verschiedene Dinge.
Das Muster ähnelte meinem eigenen. Nicht identisch. Antwortend.
Ich hob die Hand. Rufus beobachtete mich, sagte aber nichts, als meine Fingerspitzen die Linien berührten.
Die Reaktion war unmittelbar.
Ich keuchte. Rufus' Bauchmuskeln spannten sich unter meiner Hand an, sein Atem stockte sichtbar, und gleichzeitig schoss Hitze durch mein eigenes Mal, so intensiv, dass ich für einen Moment glaubte, den Boden unter den Füßen zu verlieren.
„Scheiße.“
Rufus' Hand schloss sich um meine Hüfte. „Das ist stärker.“
„Danke, Professor.“
Ich nahm die Finger weg. Die Intensität ließ sofort nach. Nicht vollständig.
Rufus sah auf meine Hand. „Noch einmal.“
Ich blickte ihn an. „Du bist wirklich nicht normal.“
„Das war keine Antwort.“
Natürlich nicht.
Ich legte meine Hand wieder auf die Markierung. Diesmal war ich vorbereitet. Half wenig. Die Wärme breitete sich nicht nur vom Mal aus. Sie zog durch meinen Körper, verband sich mit dem, was ohnehin schon da war, und für einige Sekunden war es kaum möglich zu unterscheiden, was Gaia verursachte und was Rufus.
Das machte mich nervös.
Ich nahm die Hand weg. „Genug.“
Rufus akzeptierte es sofort. Keine Diskussion.
Ich sah zu ihm auf. Das machte es aus irgendeinem Grund schlimmer.
Ich griff nach seinem Nacken und küsste ihn erneut. Seine Hände wanderten unter mein Shirt. Diesmal schreckte ich nicht zurück, als seine Handflächen meine nackte Haut berührten. Ich spürte jede einzelne Bewegung. Die Finger an meiner Taille, die langsam höher glitten. Der Daumen, der über meine Rippen strich.
Ich atmete schwerer.
Rufus zog mir das Shirt über den Kopf. Für einen kurzen Moment stand ich nur in BH und Hose vor ihm. Unter anderen Umständen hätte mein Verstand vermutlich ausreichend Zeit gefunden, darüber nachzudenken.
Rufus ließ ihm keine.
Er küsste meinen Hals. Ich legte den Kopf zurück. Sein Mund wanderte langsam nach unten, über die Stelle unterhalb meines Ohres bis zu meinem Schlüsselbein.
Ein Laut entkam mir. Leise. Aber eindeutig.
Rufus hielt inne.
Ich öffnete die Augen. „Wag es.“
„Was?“
„Irgendetwas dazu zu sagen.“
„Ich habe nichts gesagt.“
„Dein Gesicht.“
„Du kannst mein Gesicht schlecht verbieten.“
„Beobachte mich.“
Er küsste dieselbe Stelle erneut. Meine Knie wurden weich.
„Bastard.“
„Ja.“
Seine Hände glitten über meinen Rücken. Als seine Finger den Verschluss meines BHs berührten, wurde mir plötzlich sehr bewusst, wie weit wir inzwischen gegangen waren.
Rufus hielt inne. Keine Frage. Nur Stillstand.
Ich sah ihn an. Mein Herz schlug viel zu schnell.
Ich hätte jetzt gehen können. Ich wusste es. Und das wusste er ebenfalls.
Ich griff hinter mich und öffnete den Verschluss selbst.
Rufus' Blick wurde merklich dunkler.
„Kein Wort.“
„Ich habe gelernt.“
„Das bezweifle ich.“
Der BH landete irgendwo neben meinem Shirt. Für einen Moment sah Rufus mich einfach an. Nicht gierig. Auch nicht höflich weg. Aufmerksam.
Ich spürte, wie Hitze in mein Gesicht stieg. „Wenn du mich weiter so anstarrst-“
„Du hast angefangen.“
Ich hasste, dass er recht hatte.
Seine Hand glitt über meine Seite, langsam nach oben. Ich sog Luft ein, als seine Finger über meine nackte Haut strichen, und stellte beinahe erleichtert fest, dass das Mal nicht auf jede einzelne Berührung mit derselben Gewalt reagierte. Es war da. Warm. Präsent. Aber der Rest gehörte mir.
Der Schauer, der über meinen Rücken lief, als Rufus' Mund wieder meinen Hals fand. Die Art, wie sich meine Hände über seinen Rücken bewegten. Das Bedürfnis, ihn näher zu ziehen.
Das war nicht Gaia.
Ich wusste es.
Und genau deshalb wollte ich jetzt nicht darüber nachdenken.
Ich öffnete seinen Gürtel. Rufus sah nach unten. Dann wieder zu mir. „Keira.“
„Was?“
„Nichts.“
Ich verengte die Augen. „Du bist unerträglich.“
„Und trotzdem-“
„Beende den Satz und ich gehe.“
Er schwieg. Kluger Mann.
Ich zog ihn wieder zu mir.
Irgendwann waren unsere Hosen ebenfalls verschwunden. Ich wusste später nicht mehr genau, wer zuerst damit angefangen hatte. Nur noch, dass Rufus mich irgendwann hochhob und ich diesmal keinen einzigen Protest hervorbrachte.
Meine Beine schlossen sich reflexartig um seine Hüften. Die unmittelbare Nähe ließ beide innehalten.
Ich spürte das Mal heiß aufbrennen. Rufus' Griff an meinen Oberschenkeln wurde fester.
„Das ist-“
„Sag nicht interessant.“
Er sah mich an. „Intensiv.“
Ich dachte darüber nach. „Akzeptiert.“
Er trug mich zum Bett. Diesmal war ich es, die ihn mit sich hinunterzog. Rufus fing sein Gewicht auf den Armen ab, bevor er mich vollständig unter sich begraben konnte, und ich musste beinahe lachen.
„Was?“
„Nichts.“
„Keira.“
„Du bist sogar dabei kontrolliert.“
Sein Blick veränderte sich. „Beschwerst du dich?“
Ich ließ die Hände über seine Schultern gleiten. „Noch nicht.“
Das war offenbar ausreichend.
Der nächste Kuss nahm mir den Rest der Antwort.
Ich hatte ihn mir zu oft vorgestellt. Aber meine Vorstellung hatte nichts mit der Realität zu tun. Nicht wirklich. Rufus war wärmer. Schwerer. Die Muskeln unter meinen Händen bewegten sich bei jeder kleinen Gewichtsverlagerung, und jedes Mal, wenn er sich näher an mich zog, reagierte mein Körper mit einer Direktheit, die mir beinahe peinlich gewesen wäre, hätte ich noch ausreichend Konzentration dafür besessen.
Rufus küsste meine Brust, meinen Bauch, meine Seite. Ich vergrub die Finger in seinen Haaren.
Als sein Mund wieder nach oben wanderte, zog ich ihn an mich. „Rufus.“
Er hob den Kopf.
Ich sah ihn an. Ich wusste, was als Nächstes kam. Und diesmal war es nicht nur ein Kuss, den ich später als impulsive Fehlentscheidung abtun konnte. Das hier war die Grenze. Danach konnte ich mir nicht mehr erzählen, dass ich nicht wusste, was ich tat.
Rufus bewegte sich nicht weiter. Ich spürte seinen Atem auf meiner Haut.
„Du denkst zu viel.“
Ich hätte ihn schlagen können. Stattdessen legte ich eine Hand an seine Wange. „Das ist dein einziger Kommentar?“
„Im Moment.“
Ich zog ihn zu mir. „Dann hör auf zu warten.“
Er tat es.
Als wir schließlich miteinander schliefen, war das Erste, was ich wahrnahm, nicht das Mal. Es war Rufus. Sein Gewicht. Die Wärme seines Körpers. Seine Hand an meiner Hüfte. Der kurze, rauere Atemzug an meinem Ohr.
Dann reagierte die Verbindung.
Heftig.
Ich klammerte mich an seine Schultern, als eine Welle von Wärme durch meinen Körper lief.
Rufus hielt sofort still. „Keira.“
„Nicht bewegen.“
Er tat es nicht.
Ich schloss die Augen. Die Intensität war fast zu viel. Nicht schmerzhaft. Nur überwältigend, als hätte mein Körper gleichzeitig zu viele Informationen erhalten. Sein Herzschlag gegen mich. Sein Atem. Das Mal. Seine Haut. Meine eigene Reaktion.
„Scheiße.“
Rufus' Stirn lag kurz an meiner. „Ja.“
Ich öffnete die Augen. „Du darfst ausnahmsweise zustimmen.“
Sein Mundwinkel zuckte.
Die Wärme begann sich zu beruhigen. Nicht verschwinden. Nur einordnen.
Ich bewegte mich zuerst. Eine kleine Bewegung. Genug.
Rufus' Blick wurde augenblicklich konzentrierter. „Geht?“
Mehr brauchte ich nicht zu sagen.
Danach fand sich der Rhythmus langsamer, als ich erwartet hatte. Nicht vorsichtig. Aber kontrolliert. Rufus beobachtete mich anfangs zu genau, registrierte jede Veränderung meines Atems, jede Bewegung meines Körpers, und irgendwann ging mir genau das auf die Nerven.
„Hör auf, mich zu analysieren.“
„Ich analysiere dich nicht.“
„Lügner.“
„Was soll ich stattdessen tun?“
Ich zog ihn am Nacken herunter. „Das.“
Ich küsste ihn. Rufus verstand.
Danach wurde es weniger ordentlich.
Ich verlor irgendwann den Überblick darüber, wann genau ich aufgehört hatte, auf das Mal zu achten. Ich wusste nur, dass meine Hände über seinen Rücken glitten, dass Rufus irgendwann meinen Namen gegen meine Haut sagte und dass ich jedes Mal, wenn er langsamer wurde, ungeduldig näher rückte.
Das war vermutlich das Demütigendste daran. Nicht, dass ich ihn wollte. Sondern dass ich offenbar überhaupt kein Interesse daran hatte, dieses Wissen noch besonders würdevoll zu verbergen.
Rufus merkte es natürlich. Seine Hand legte sich fester an meine Hüfte.
Ich öffnete die Augen. Sein Gesicht war nur wenige Zentimeter von meinem entfernt. Die sonst so kontrollierten Züge waren nicht mehr vollkommen kontrolliert.
Das gefiel mir. Sehr.
„Du siehst zufrieden aus“, brachte ich hervor.
„Bin ich.“
„Arschloch.“
Er küsste mich.
Später wechselte ich die Position, hauptsächlich weil ich herausfinden wollte, ob Rufus es zulassen würde. Tat er. Zumindest zunächst.
Ich saß über ihm, die Hände auf seiner Brust, und für einige Sekunden genoss ich die Tatsache, dass ich ihn unter mir hatte.
Rufus sah zu mir hoch.
Ich hob eine Braue. „Was?“
„Nichts.“
„Du denkst.“
„Das kann ich schlecht abstellen.“
Ich bewegte mich absichtlich. Sein Atem stockte.
Ein kleines triumphierendes Lächeln erschien auf meinem Gesicht. „Interessant.“
Rufus' Augen wurden schmal. „Keira.“
„Was?“
Er griff nach meiner Hüfte. Der nächste Moment verlief schneller, als ich reagieren konnte, und plötzlich lag ich wieder unter ihm.
Ich starrte ihn an. „Das war unfair.“
„Nein.“
„Doch.“
„Du hast provoziert.“
„Und?“
„Das war die Antwort.“
Ich begann zu lachen. Rufus küsste mich mitten hinein.
Danach verlor die Sache endgültig jede Ähnlichkeit mit einem Machtkampf. Es wurde wärmer, schneller, unordentlicher. Ich hörte auf darüber nachzudenken, wer gerade die Kontrolle hatte, weil es plötzlich vollkommen egal war.
Als die Spannung in mir schließlich brach, vergrub ich das Gesicht an Rufus' Schulter und hielt ihn so fest, dass meine Fingernägel Spuren auf seinem Rücken hinterließen. Das Mal flammte gleichzeitig auf. Rufus keuchte meinen Namen.
Für einige Sekunden bestand meine Welt nur aus Hitze, Atem und dem Mann über mir.
Dann wurde alles stiller. Langsam.
Rufus ließ sein Gewicht neben mich sinken.
Ich lag auf dem Rücken und starrte an die Decke. Mein Herz schlug noch viel zu schnell. Rufus atmete neben mir ebenfalls schwerer als gewöhnlich.
Ich wartete. Auf Reue. Panik. Den Reflex aufzustehen. Irgendetwas.
Nichts davon kam.
„Das ist schlecht“, murmelte ich.
Rufus drehte den Kopf. „Was?“
„Nichts.“
„Du hast gerade-“
„Ich weiß, was ich gesagt habe.“
Er betrachtete mich.
Ich wandte den Kopf zu ihm. „Wenn du jetzt fragst, ob ich es bereue, werde ich dich schlagen.“
„Das wollte ich nicht fragen.“
„Gut.“
Stille.
Ich zog die Decke höher. Rufus' Hand lag zwischen uns. Ich sah darauf. Natürlich. Nach allem waren es immer noch seine verdammten Hände.
Ich griff danach. Er bewegte die Finger, sodass unsere sich ineinanderschieben konnten.
Das Mal reagierte nur noch mit einer angenehmen Wärme.
Ich verzog das Gesicht.
„Was?“
„Es ist zufrieden.“
Rufus hob eine Braue. „Das Mal?“
„Ja.“
„Interessant.“
Ich drehte den Kopf. „Ich habe dir ausdrücklich verboten-“
„Das war Stunden her.“
„Das Verbot gilt dauerhaft.“
Rufus schloss die Augen.
Ich sah ihn an. Dann an die Decke.
Ich sollte aufstehen. In mein eigenes Zimmer gehen. Damit wenigstens irgendein Rest von Normalität erhalten blieb.
Stattdessen lag meine Hand weiterhin in seiner.
Eine Minute verging. Dann zwei.
Rufus' Atem wurde ruhiger.
Ich spürte die Wärme seines Körpers neben mir.
Und plötzlich bemerkte ich etwas.
Mein Kopf war still. Vollkommen still. Keine Argumente. Keine Bilder. Kein Kampf mit mir selbst. Kein Rufus in meinen Träumen, weil der echte direkt neben mir lag.
Ich schluckte.
Das war schlecht. Sehr schlecht.
Ich drehte mich auf die Seite. Eigentlich von ihm weg.
Rufus bewegte sich hinter mir. Sein Arm legte sich um meine Taille.
Ich spannte mich kurz an. Nicht weil ich ihn wegschieben wollte. Genau deshalb.
Ich hätte seine Hand nehmen und von mir entfernen können. Tat ich nicht.
Stattdessen rückte ich unbewusst ein kleines Stück zurück, bis mein Rücken an seiner Brust lag.
Ich schloss die Augen.
Verdammte Scheiße.
Ich war innerhalb weniger Minuten eingeschlafen.
—
Als ich am nächsten Morgen aufwachte, wusste ich zunächst nicht, warum etwas anders war. Dann begriff ich es.
Ich fühlte mich gut.
Ich blieb regungslos liegen. Kein dröhnender Kopf. Keine schweren Augen. Keine Erinnerung daran, nachts dreimal hochgeschreckt zu sein. Nichts.
Ich hatte geschlafen. Richtig geschlafen.
Hinter mir lag Rufus. Sein Arm noch immer um meine Taille, seine Hand locker auf meinem Bauch.
Ich starrte einige Sekunden ins Leere. Dann schloss ich langsam die Augen.
„Scheiße.“
Rufus bewegte sich. Seine Stimme war noch rau vom Schlaf. „Guten Morgen.“
„Nein.“
Eine kurze Pause. „Nein?“
Ich zog die Decke über meinen Kopf. „Noch nicht.“
Rufus sagte nichts. Das war vermutlich klug.
Ich lag unter der Decke, warm, ausgeschlafen und mit der ausgesprochen unangenehmen Erkenntnis, dass der Sex bei weitem nicht das größte Problem der vergangenen Nacht gewesen war.
Ich hatte ihn gewollt. Das war schlimm genug. Aber ich hatte anschließend bleiben wollen. Und jetzt, am nächsten Morgen, mit seinem Arm noch immer um mich und einem Kopf, der zum ersten Mal seit Tagen nicht gegen sich selbst kämpfte, musste ich mir etwas eingestehen, das mir wesentlich mehr Angst machte als jede körperliche Reaktion.
Ich fühlte mich bei ihm sicher.
Nicht wegen Gaia. Nicht nur wegen des Mals. Bei ihm.
Ich presste das Gesicht tiefer in das Kissen.
Das war ein Problem. Ein sehr großes sogar.
Denn wenn Rufus Shinra nicht das Problem war, musste ich langsam anfangen darüber nachzudenken, was es stattdessen war.
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Disclaimer
This is a work of fiction, assisted by artificial intelligence. Any names or characters, businesses or places, events or incidents, are fictitious. Any resemblance to actual persons, living or dead, or actual events is purely coincidental.
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