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Goldene Ketten
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Published 9/9/2026
Meine Finger gleiten über das goldene Zeichen auf meinem Handgelenk, eine Spirale, die sich um meinen Puls windet. Das Licht der Morgensonne fängt sich darin, lässt es flackern wie lebendiges Feuer. Ich betrachte es, während ich im Bett liege, die Seidenlaken kühl gegen meine nackte Haut.
Drei Klopfer an der Tür. Nicht die schüchternen, zögernden meiner Diener. Der feste, rhythmische Schlag des Kommandanten.
“Majestät. Es ist Zeit.”
Ich atme tief ein. Der Duft von Weihrauch und frischem Brot zieht durch das offene Fenster, vermischt sich mit dem schweren Lavendel meiner Bettwäsche. Draußen singen die Vögel im Garten der tausend Brunnen. Die Welt ist friedlich. Die Welt ist perfekt. Die Welt gehört mir.
“Herein.”
Steiner tritt ein, groß und breit in seiner schwarzen Uniform, das silberne Kreuz der Wache auf der Brust. Er verneigt sich, aber seine Augen wandern nicht zu Boden. Sie halten meinen Blick, fest und kalkulierend. Er hat mich beschützt, seit ich acht war, seit mein Vater starb und die Bruderkriege begannen. Er hat Narben auf den Armen, die er für mich bekam. Ich vertraue ihm mehr als meinen Brüdern.
“Die Omegas warten in der Ostkammer,” sagt er. “Ihre Betreuer haben sie vorbereitet.”
Vorbereitet. Ein Wort, das so vieles bedeuten kann. Ich schwinge meine Beine aus dem Bett, die Füße auf dem warmen Marmor. Steiner tritt näher, reicht mir den Morgenmantel aus purpurroter Seide. Ich lasse mir Zeit, genieße das Gewicht des Stoffes auf meinen Schultern.
“Welcher heute?” frage ich.
“Ihre Wahl, Majestät.”
Ich gehe zum Fenster, sehe hinaus auf die Stadt. Meine Stadt. Millionen Menschen, die in meinem Schatten atmen. Sie lieben mich. Sie beten mich an. Sie wissen nichts von den goldenen Zeichen, die unter meiner Kleidung leuchten, von der Macht, die in mir kocht und schreit und niemals still wird.
“Chris,” sage ich. “Heute Chris.”
Steiner nickt. “Ich werde es dem Betreuer mitteilen.”
Er geht, und ich bleibe einen Moment allein. Die Stille ist laut. Sie ist immer laut, wenn niemand spricht. Ich höre mein eigenes Blut rauschen, höre das Flüstern der Zeichen auf meiner Haut. Sie sagen Dinge, die ich nicht verstehe. Vielleicht will ich sie auch nicht verstehen.
Die Ostkammer ist hell und weit, die Fenster zur aufgehenden Sonne geöffnet. Fünf Männer stehen in einer Reihe, jeder vor einem Samtkissen, jeder in weiße, fließende Gewänder gekleidet. Ihre Betreuer stehen hinter ihnen, Hände gefaltet, Blicke gesenkt. Die Omegas selbst sehen mich an. Sie wissen, was kommt. Sie wissen, dass einer von ihnen heute gehen wird.
Ich lasse meinen Blick über sie gleiten. Valen, der Dunkle, mit Augen wie Kohle und einer Stille, die Geschichten erzählt. Elias, der Sanfte, der immer ein wenig zittert, wenn ich ihn ansehe. Andreas, der Stolze, der seinen Kiefer anspannt, als würde er einen Kampf erwarten. Thomas, der Jüngste, mit Sommersprossen auf der Nase und einem Lächeln, das nie ganz echt wirkt.
Und Chris.
Chris ist anders. Er steht am Ende der Reihe, das Kinn erhoben, die Hände locker an den Seiten. Sein Haar ist hell, fast weiß, und fällt ihm in die Stirn. Er hat blaue Augen, so hell, dass sie fast durchsichtig wirken. Er sieht mich an, und ich sehe nichts von Angst oder Ehrfurcht in seinem Blick. Nur eine stille Neugier. Ein Abwägen.
Ich mag das.
“Chris,” sage ich. “Komm.”
Sein Betreuer, ein älterer Mann mit grauen Schläfen, tritt vor und flüstert ihm etwas ins Ohr. Chris nickt, einmal, und geht auf mich zu. Seine Schritte sind leise auf dem Marmor. Er riecht nach Zedernholz und etwas Süßem, nach Honig vielleicht.
“Majestät,” sagt er. Seine Stimme ist tief, ruhig. Kein Zittern.
Ich strecke die Hand aus, berühre sein Gesicht. Meine Finger gleiten über seine Wange, spüren die Wärme seiner Haut. Er schließt die Augen, nur einen Moment, und ich sehe die Spannung in seinen Schultern nachlassen.
“Folge mir,” sage ich.
Wir gehen durch die Korridore des Palastes, an den Wachen vorbei, die strammstehen, an den Dienern, die sich tief verbeugen. Steiner folgt uns in diskretem Abstand, seine Hand am Schwertgriff. Ich spüre die Blicke auf mir, die Neugier, den Neid. Sie alle wollen wissen, was in meinen Gemächern geschieht. Sie alle wollen einen Teil von mir.
Mein Schlafzimmer ist groß, das Bett breit genug für vier. Ich schließe die Tür hinter uns, und die Welt draußen verschwindet. Chris steht in der Mitte des Raumes, die Arme an den Seiten, und wartet.
“Weißt du, was ich von dir will?” frage ich.
“Ja, Majestät.”
“Sag es.”
Er zögert. Nur einen Herzschlag lang. Dann hebt er das Kinn, sieht mir direkt in die Augen. “Sie wollen mich nehmen. Sie wollen mich benutzen. Sie wollen mich fühlen, wie noch niemand mich gefühlt hat.”
Seine Worte treffen mich wie ein Schlag. Ich habe so etwas noch nie gehört. Die anderen Omegas sprechen in Floskeln, in eingeübten Sätzen. Sie sagen, was sie glauben, dass ich hören will. Aber Chris sagt die Wahrheit.
“Und was willst du?” frage ich.
Er tritt einen Schritt näher. Dann noch einen. Er ist nah genug, dass ich seinen Atem auf meiner Haut spüre. “Ich will wissen, ob Sie mehr sind als das Gold auf Ihrer Haut. Ob Sie mehr sind als der Kaiser, den alle lieben.”
Ich lache. Ein kurzer, harter Laut. “Bist du mutig oder dumm?”
“Vielleicht beides,” sagt er. “Vielleicht weder.”
Seine Hand hebt sich, langsam, als würde er ein wildes Tier berühren. Seine Finger streifen meine Wange, und die goldenen Zeichen auf meinem Arm beginnen zu glühen. Ein warmes Pulsieren, das ich kenne, das ich aber nie kontrollieren kann.
Chris’ Augen weiten sich. “Was ist das?”
“Das,” sage ich, und meine Stimme klingt rau, “ist das, was mich zum Kaiser gemacht hat. Und das, was mich eines Tages zerstören wird.”
Er zieht seine Hand nicht zurück. Stattdessen legt er die andere auf meine Brust, direkt über mein Herz. “Dann lass mich heute Nacht derjenige sein, der es am Morgen noch aushält.”
Ich packe sein Handgelenk, fest. Nicht um ihn zu verletzen. Um ihn zu halten. “Du weißt nicht, worauf du dich einlässt.”
“Nein,” sagt er. “Aber ich will es herausfinden.”
Die Zeichen auf meiner Haut brennen jetzt, heiß und fordernd. Ich spüre die Macht in mir aufsteigen, die Gier, die niemals schläft. Und zum ersten Mal seit langer Zeit habe ich Angst. Nicht vor dem, was ich tun könnte. Sondern vor dem, was ich fühle.
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This is a work of fiction, assisted by artificial intelligence. Any names or characters, businesses or places, events or incidents, are fictitious. Any resemblance to actual persons, living or dead, or actual events is purely coincidental.
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