Kaisers erster Omega

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Published 9/9/2026
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Der Duft trifft mich, bevor ich ihn sehe. Süß und schwer, wie Honig, der in der Hitze geronnen ist. Mein Puls hämmert gegen meine Schläfen, und ich presse die Fingerkuppen fester um die Armlehne meines Throns. Das Leder knarzt unter meinem Griff.

„Majestät, der Omega ist eingetroffen.“

Steiners Stimme, flach und kontrolliert wie immer. Er steht zwei Schritte hinter mir, links. Ich höre ihn nicht atmen. Ich höre nie, dass er atmet. Aber ich spüre ihn. Seine Gegenwart ist wie ein zweites Rückgrat.

Ich nicke, einmal, kurz. Mein Hals ist trocken.

Die Tür öffnet sich. Zwei Wachen treten ein, in den grauen Mänteln der kaiserlichen Garde. Zwischen ihnen ein Junge. Nein, kein Junge. Ein junger Mann. Vielleicht neunzehn, zwanzig. Sein Haar ist dunkel, fast schwarz, und fällt ihm in die Stirn. Seine Augen sind weit, zu weit, und ich sehe das Zittern in seinen Händen, obwohl er sie hinter dem Rücken verschränkt hält.

Chris. So heißt er. Der Name steht in der Akte, die Steiner mir vor einer Stunde auf den Schreibtisch gelegt hat. Geburtsdatum, Blutgruppe, drei Seiten medizinische Befunde. Nichts über die Angst in seinen Augen.

„Näher“, sage ich.

Die Wachen schieben ihn vor. Seine Schritte sind kurz, zögernd. Er trägt eine einfache weiße Tunika, die ihm bis zu den Knien reicht. Barfuß. Der Steinboden ist kalt, das sehe ich an den Gänsehaut auf seinen Armen.

Er bleibt drei Meter vor mir stehen. Die Wachen treten zurück. Die Tür fällt ins Schloss, und das Echo rollt durch den Thronsaal wie Donner.

Ich stehe auf.

Steiner macht keine Bewegung. Er wird keine machen, es sei denn, ich gebe den Befehl. Das ist sein Job. Meinen Rücken decken, niemals meine Schatten werfen.

Ich gehe die drei Stufen hinunter. Meine Stiefel schlagen hart auf dem Marmor. Chris zuckt bei jedem Schritt zusammen. Sein Geruch wird stärker, jetzt, wo ich näher komme. Süß, aber mit einer Schärfe darunter. Angst. Es ist der Geruch von etwas, das kurz davor ist, zu zerbrechen.

„Sieh mich an“, sage ich.

Er hebt den Kopf. Seine Augen sind grau, hell wie Rauch. Sie sind feucht, aber er weint nicht. Noch nicht. Sein Kiefer ist angespannt, und ich sehe den Muskel in seinem Hals pochen.

„Du weißt, was heute Nacht passiert?“

Er nickt. Ein kleines, fast unsichtbares Nicken.

„Sag es mir.“

Seine Lippen öffnen sich. Sie sind voll, leicht rissig. Er hat gebissen, unterwegs, in der Kutsche. „Ich werde entjungfert. Von dir. Dem Kaiser.“

Seine Stimme ist leise, aber sie zittert nicht. Das überrascht mich. Ich hatte mit Schluchzen gerechnet, mit Bitten. Die meisten Omegas bitten. Sie flehen um Gnade, um Zeit, um etwas, das ich ihnen nicht geben kann.

„Und danach?“, frage ich.

Er schluckt. Sein Adamsapfel hüpft. „Danach gehöre ich dir. Für immer. Ich bin dein Omega. Ich trage deine Kinder. Ich diene dir, bis du mich wegschickst oder ich sterbe.“

Er hat die Worte auswendig gelernt. Der Priester hat sie ihm eingebläut, wahrscheinlich. Die Zeremonie. Die Pflichten. Das ganze grausame Theater, das wir Kaiser nennen.

Ich hebe die Hand. Er zuckt zurück, als hätte ich ihn geschlagen. Ich halte inne. Meine Finger schweben in der Luft zwischen uns.

„Ich werde dir nicht wehtun“, sage ich. „Nicht mehr, als nötig ist.“

Er lacht. Ein kurzer, scharfer Laut, der sofort erstirbt. „Nötig. Ja. Das sagen sie alle.“

Steiner räuspert sich. Ein einziges, trockenes Geräusch. Eine Warnung. Ich ignoriere es.

„Wer ist ‚sie‘?“

Chris beißt sich auf die Unterlippe. Seine Augen wandern zur Seite, zu den dunklen Ecken des Saals, zu den Bannern, die von der Decke hängen. Zu allem, nur nicht zu mir.

„Die anderen. Die, die vor mir kamen. Sie reden. In den Quartieren. Sie sagen, dass der Kaiser kalt ist. Dass er nichts fühlt. Dass er nimmt, was ihm gehört, und dann wegschaut.“

Die Worte brennen. Nicht weil sie mich treffen, sondern weil sie wahr sind. Ich habe nie darüber nachgedacht, was mit den Omegas passiert, nachdem sie mein Bett verlassen haben. Sie werden versorgt. Das ist mein Befehl. Gute Kleidung, gutes Essen, ein Dach über dem Kopf. Mehr habe ich nie gefragt.

„Ich bin nicht kalt“, sage ich. Meine Stimme ist leiser, als ich will. „Ich bin nur beschäftigt.“

Chris sieht mich an. Wirklich an. Zum ersten Mal. Seine grauen Augen bohren sich in meine, und ich spüre etwas, das ich nicht benennen kann. Es ist kein Respekt. Keine Angst. Es ist etwas anderes. Etwas, das mich in Frage stellt.

„Beschäftigt“, wiederholt er. „Ja. Kaiser sein muss schwer sein. All diese Kriege. All diese Entscheidungen. Keine Zeit für einen Omega, der nur da ist, um deine Kinder auszutragen.“

Steiner macht einen Schritt. Ich höre das Leder seiner Stiefel knirschen. Ein weiterer Schritt, und er hätte Chris am Kragen. Aber ich hebe die Hand, und er stoppt.

„Du hast eine scharfe Zunge“, sage ich. „Das ist ungewöhnlich. Für einen Omega.“

„Vielleicht hast du noch nie einen Omega getroffen, der den Mut hatte, sie zu benutzen.“

Der Raum ist still. Die Kerzen flackern in ihren Haltern. Der Wind draußen heult gegen die Fenster. Ich stehe vor diesem Jungen, der mich ansieht, als wäre ich derjenige, der etwas zu beweisen hat.

Und er hat recht.

Ich habe noch nie einen Omega getroffen, der den Mut hatte. Weil ich nie hingeshen habe. Ich habe genommen, was mir gegeben wurde, und bin weitergegangen. Ich habe nie gefragt, wie sie heißen. Ich habe nie ihre Augen gesehen.

Aber ich sehe seine.

„Komm“, sage ich. „Wir gehen in meine Gemächer.“

Er zögert. Nur einen Herzschlag lang. Dann nickt er, und ich drehe mich um. Ich gehe voraus, die Stufen hinauf, durch die Seitentür, in den Gang, der zu meinen Räumen führt. Ich höre seine Schritte hinter mir. Leise. Barfuß auf dem Stein.

Steiner folgt uns. Ich spüre seinen Blick im Nacken. Er wird vor der Tür Wache stehen. Er wird die ganze Nacht da stehen, ohne zu schlafen, ohne zu essen, ohne zu blinzeln. So ist er.

Die Tür zu meinem Schlafzimmer ist schwer, aus Eiche und Eisen. Ich stoße sie auf. Das Feuer im Kamin brennt niedrig, wirft tanzende Schatten an die Wände. Das Bett ist gemacht. Die Laken sind weiß. Sie werden rot sein, bevor die Nacht vorbei ist.

Chris bleibt auf der Schwelle stehen. Sein Atem geht flach. Sein Geruch ist jetzt überwältigend. Süß und scharf und warm. Ich rieche seinen Puls. Ich rieche sein Verlangen, tief unter der Angst, versteckt, aber da.

„Zieh dich aus“, sage ich.

Er hebt die Hände. Sie zittern, als er den Saum seiner Tunika fasst. Er zieht sie über den Kopf, und das weiße Tuch fällt zu Boden.

Sein Körper ist schlank, aber nicht schwach. Ich sehe die Linien seiner Rippen, die Kurve seiner Hüften. Seine Haut ist blass im Feuerschein. Er steht nackt vor mir, die Arme an den Seiten, und er zittert am ganzen Leib.

Aber er weint nicht.

Das ist es, was mich packt. Er weint nicht.

Ich trete näher. Meine Hand findet seine Wange. Seine Haut ist heiß. Er schließt die Augen, und ich spüre, wie er sich in meine Berührung lehnt, gegen seinen Willen. Sein Körper weiß, was sein Verstand noch nicht akzeptiert hat.

„Ich werde dich nicht brechen“, flüstere ich. „Das verspreche ich dir.“

Er öffnet die Augen. Grau wie Rauch. Und er sagt nichts.

Aber in seinem Blick liegt eine Frage. Eine, die ich nicht beantworten kann. Nicht heute Nacht. Vielleicht nie.

Ich beuge mich vor und küsse ihn.

Seine Lippen sind weich und warm und schmecken nach Salz. Ich spüre, wie er erstarrt, wie sein ganzer Körper sich anspannt, und dann, langsam, gibt er nach. Seine Hände heben sich, zögern, und fallen dann auf meine Schultern.

Draußen, hinter der Tür, höre ich Steiners Atem. Ruhig. Gleichmäßig. Er wartet.

Die Nacht hat gerade erst begonnen.



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