Schicksalsfesseln

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Published 9/8/2026
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Die Luft in der Kanzlei war kalt, zu kalt für einen Spätsommernachmittag. Die Klimaanlage lief auf Hochtouren, ein leises Summen, das sich in meine Knochen fraß. Ich saß da, die Hände flach auf dem polierten Mahagoni, und versuchte, nicht zu zittern. Nicht wegen der Kälte. Wegen ihm.

Kaiser.

Er saß mir gegenüber, breit, massiv, ein schwarzer Anzug, der maßgeschneidert war, um Macht zu verbergen, aber sie schrie trotzdem aus jeder Pore. Sein Gesicht war eine Maske aus harten Linien, kantigem Kiefer, Augen so dunkel, dass sie das Licht schluckten. Er roch nach teurem Leder, nach Regen auf Asphalt, nach etwas Wildem, das ich nicht benennen konnte.

„Sie sind also die Neue“, sagte er. Seine Stimme war tief, ein Grollen, das in meinem Bauch widerhallte.

Ich nickte. Mein Herz hämmerte gegen meine Rippen, ein wilder Vogel im Käfig. „Ja, Herr Kaiser.“

Er lehnte sich zurück, musterte mich. Sein Blick wanderte über mein Gesicht, hinunter zu meinem weißen Hemd, das ich unter der schwarzen Jacke trug. Ich hatte es heute Morgen extra gebügelt, die Nähte perfekt, kein Fussel. Jetzt fühlte es sich an wie eine Rüstung aus Papier.

„Ich habe Ihren Lebenslauf gesehen. Jurastudium, Top-Noten, Empfehlung von Professor Brenner. Sie klingen perfekt auf dem Papier.“ Er hielt inne. „Aber Papier lügt nicht. Menschen tun das.“

Ich schluckte. „Ich lüge nicht, Herr Kaiser.“

Ein Lächeln. Dünn, gefährlich. „Das werden wir sehen.“

Er stand auf, kam um den Schreibtisch herum. Jeder Schritt war gemessen, kontrolliert. Ich spürte die Wärme seines Körpers, bevor er mich berührte. Seine Hand legte sich auf meine Schulter, schwer, fordernd.

„Stehen Sie auf.“

Ich gehorchte. Meine Knie waren weich, aber ich stand. Er war einen Kopf größer als ich, musste zu ihm aufsehen. Sein Gesicht war nah, zu nah. Ich roch seinen Atem, Minze und etwas Rauchiges.

„Wissen Sie, was ich von meinen Assistenten erwarte?“, fragte er.

„Effizienz, Diskretion, Loyalität“, sagte ich. Die Worte waren auswendig gelernt, aber sie fühlten sich hohl an.

„Das ist die offizielle Version.“ Seine Hand glitt von meiner Schulter zu meinem Nacken. Seine Finger waren warm, fest. „Die inoffizielle ist etwas anders.“

Ich konnte nicht atmen. Sein Daumen strich über meinen Puls, fühlte jedes Pochen. Er wusste genau, was er tat. Er wusste, dass ich zitterte.

„Sie sind Omega“, sagte er. Keine Frage. Eine Feststellung.

Ich schloss die Augen. „Ja.“

„Ein Omega in einem Alpha-Unternehmen. Riskant. Dumm. Oder mutig.“ Er lachte leise. „Ich kann mich noch nicht entscheiden, was bei Ihnen zutrifft.“

„Ich bin gut in meinem Job“, flüsterte ich. „Das ist alles, was zählt.“

„Nein.“ Seine Stimme wurde scharf. „Das ist nicht alles, was zählt. Sie tragen ein Zeichen. Einen Geruch. Eine Ausstrahlung. Jeder Alpha hier wird es riechen. Jeder wird wissen, was Sie sind. Und sie werden es ausnutzen, wenn ich es nicht tue.“

Ich öffnete die Augen. Sein Blick war unerbittlich.

„Was wollen Sie?“, fragte ich.

Er trat näher. Sein Körper presste sich gegen meinen. Ich spürte die Hitze, die Härte. Seine Hand wanderte von meinem Nacken zu meinem Haar, griff hinein, zog meinen Kopf zurück.

„Ich will, dass Sie verstehen, wem Sie gehören“, sagte er. Seine Lippen waren an meinem Ohr. „Ab heute sind Sie mein. Nicht das Unternehmen. Nicht die Kanzlei. Mir. Wenn ich Sie rufe, kommen Sie. Wenn ich Sie will, öffnen Sie sich. Wenn ich Sie nehme, nehmen Sie es. Ohne Widerstand. Ohne Fragen. Verstanden?“

Mein Körper brannte. Scham und Erregung vermischten sich zu einem giftigen Cocktail. Ich hasste ihn. Ich begehrte ihn. Ich wusste nicht, wo das eine aufhörte und das andere begann.

„Verstanden“, sagte ich. Meine Stimme klang fremd, rau.

Er ließ mich los. Ich taumelte, fing mich an der Schreibtischkante. Er ging zurück zu seinem Stuhl, setzte sich, als wäre nichts passiert. Als hätte er nicht gerade mein Leben in zwei Hälften geschnitten.

„Setzen Sie sich“, sagte er. „Wir haben Arbeit zu erledigen.“

Ich ließ mich fallen. Meine Hände zitterten auf dem Schoß. Ich versuchte, ruhig zu atmen, aber mein Herz raste immer noch.

„Der Fall Müller“, begann er. „Sie haben die Akte gesehen?“

„Ja“, sagte ich. Meine Stimme war noch immer rau. Ich räusperte mich. „Ja, Herr Kaiser. Die Fusionsverhandlungen mit der Schröder-Gruppe. Ich habe die Unterlagen durchgesehen. Es gibt einige Klauseln, die problematisch sein könnten.“

„Welche?“

Ich nannte sie. Drei Punkte. Präzise, klar, wie ich es gelernt hatte. Er hörte zu, nickte, machte sich Notizen. Für einen Moment war alles normal. Ein Chef und seine Assistentin. Ein Alpha und ein Omega, die über Verträge sprachen.

Aber nichts war normal. Nicht mehr.

Nach einer Stunde stand er auf. „Das reicht für heute. Sie können gehen.“

Ich stand auf, sammelte meine Sachen. Meine Finger zitterten, als ich den Stift in die Tasche steckte.

„Morgen um acht“, sagte er. „Seien Sie pünktlich. Ich hasse Unpünktlichkeit.“

„Ja, Herr Kaiser.“

Ich ging zur Tür. Meine Hand lag auf der Klinke, als seine Stimme mich stoppte.

„Eine Sache noch.“

Ich drehte mich um. Er stand am Fenster, die Hände in den Taschen, das Licht der untergehenden Sonne zeichnete Silhouetten auf sein Gesicht.

„Sie haben heute nicht gelogen“, sagte er. „Das ist gut. Ich mag es, wenn man ehrlich zu mir ist. Aber ich mag es noch mehr, wenn man gehorsam ist. Denken Sie daran.“

Ich nickte. Dann öffnete ich die Tür und ging.

Der Flur war leer. Die Schritte hallten auf dem Marmorboden. Ich lehnte mich gegen die Wand, schloss die Augen, versuchte, die Fassung zu bewahren. Mein Körper zitterte, mein Herz raste, und tief in mir, in meinem Bauch, spürte ich etwas anderes. Ein Ziehen. Ein Pochen. Ein Verlangen, das ich nicht kontrollieren konnte.

Ich war ein Omega. Er war ein Alpha. Das war das Gesetz der Natur, so alt wie die Zeit.

Aber ich hatte mich nie gefragt, ob ich es wollte. Ich hatte immer geglaubt, ich hätte die Wahl.

Jetzt wusste ich es besser.

Am nächsten Morgen stand ich um sechs auf. Ich duschte, zog mich an, bügelte mein Hemd. Ich band meine Haare zu einem strengen Knoten, trug dezentes Make-up, wählte einen schwarzen Rock, der bis zum Knie reichte. Ich sah aus wie eine Anwältin. Wie eine Assistentin. Wie jemand, der Kontrolle hat.

Ich log mich an.

Um Punkt acht stand ich vor seiner Tür. Ich klopfte. Zweimal, kurz, fest.

„Herein.“

Ich öffnete die Tür. Er saß an seinem Schreibtisch, Kaffee in der Hand, die Zeitung vor sich ausgebreitet. Er sah auf, als ich eintrat.

„Guten Morgen, Herr Kaiser“, sagte ich.

Sein Blick wanderte über mich. Langsam, bewusst. Ich spürte es wie eine Berührung.

„Guten Morgen“, sagte er. „Sie sind pünktlich. Setzen Sie sich. Wir haben viel zu tun.“

Ich setzte mich. Der Tag begann, wie der erste geendet hatte. Arbeit. Befehle. Ein Alpha, der wusste, was er wollte. Ein Omega, der lernte, zu gehorchen.

Aber am Nachmittag änderte sich etwas.

Er rief mich in sein Büro. Ich dachte, es ginge um den Fall Müller. Ich nahm die Akte mit, klopfte, trat ein.

Er stand am Fenster, den Rücken zu mir.

„Schließen Sie die Tür“, sagte er.

Ich schloss sie. Das Schloss klickte, ein Geräusch, das wie ein Urteil klang.

„Kommen Sie her.“

Ich ging zu ihm. Fünf Schritte. Vier. Drei. Er drehte sich um.

Sein Gesicht war anders. Die Maske war weg. Darunter war etwas Rohes, etwas Hungriges.

Er hob die Hand, berührte mein Gesicht. Seine Finger waren warm, rau. Sie strichen über meine Wange, meinen Kiefer, meinen Hals.

„Ich habe den ganzen Tag daran gedacht“, sagte er leise. „Daran, wie Sie gestern gezittert haben. Wie Ihr Puls unter meinen Fingern schlug. Wie Sie gesagt haben, dass Sie nicht lügen. Ich möchte wissen, ob Sie auch heute ehrlich sind.“

„Ich bin ehrlich“, flüsterte ich.

„Dann sagen Sie mir, was Sie wollen.“

Ich schloss die Augen. Mein Körper brannte. Mein Verstand schrie. Aber etwas anderes, etwas Tieferes, antwortete für mich.

„Ich will, dass Sie mich nehmen“, sagte ich. „Ich will, dass Sie mich brechen. Ich will, dass Sie mir zeigen, wem ich gehöre.“

Er lächelte. Diesmal war es kein dünnes, gefährliches Lächeln. Es war ein Lächeln, das versprach, dass er halten würde, was er sagte.

Er zog mich an sich. Seine Lippen fanden meine. Der Kuss war hart, fordernd, ohne Zärtlichkeit. Es war ein Kuss, der Besitzanspruch anmeldete.

Und ich öffnete mich.

Seine Hände griffen in mein Haar, rissen an meinem Knoten. Die Haare fielen mir ins Gesicht. Er drückte mich gegen die Wand, sein Körper presste sich gegen meinen. Ich spürte seine Härte, seine Hitze, sein Verlangen.

Er riss mein Hemd auf. Die Knöpfe flogen, klackerten auf den Boden. Seine Hände fanden meine Brüste, grob, fordernd. Ich stöhnte auf.

„Leise“, knurrte er. „Niemand soll hören, wie ich Sie nehme. Nur Sie. Nur ich. Verstanden?“

Ich nickte. Er biss in meinen Hals, genau an der Stelle, wo mein Puls schlug. Schmerz. Lust. Eine Mischung, die mich schwindlig machte.

Seine Hand glitt unter meinen Rock, fand meine Schenkel. Seine Finger waren heiß, drängend. Er schob mein Höschen zur Seite, und ich war bereit. Feucht. Offen.

„Sie sind so bereit“, murmelte er. „So perfekt. Ein Omega, der weiß, was er braucht. Ein Omega, der endlich bekommt, was er verdient.“

Er öffnete seinen Gürtel. Ich hörte das Klicken der Schnalle, das Reißverschlussgeräusch. Dann spürte ich ihn. Groß. Hart. Drängend.

Er hob mein Bein, wickelte es um seine Hüfte. Sein Blick traf meinen.

„Sagen Sie es“, befahl er. „Sagen Sie, wem Sie gehören.“

„Ihnen“, flüsterte ich. „Ich gehöre Ihnen, Kaiser.“



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